Kommunikationswissenschaft mit Schwerpunkt Vergleichende Analyse von Mediensystemen/Kommunikationskulturen
Lehrstuhl von Prof. Dr. Kai Hafez
Mythen der Globalisierung Wir sind lange Zeit von der Annahme ausgegangen, dass globale Interaktionen zunehmen und hieraus eine Annäherung von Nationen und Kulturen resultieren würde. Beides ist weniger der Fall als man annimmt. In der Wissenschaft formiert sich inzwischen eine revisionistische Debatte, wobei bis dahin gehegte Grundannahmen hinterfragt werden.
Politisch wirken sich die Gegentendenzen der globalen Kommunikation umso verheerender aus, als wir gerade nach den Ereignissen des 11. Septembers mehr denn je die Notwendigkeit grenzüberschreitender Kommunikation erkennen müssen. Damit die Internationalisierung von Kommunikationsströmen nicht nur Wunschdenken bleibt, müssen folgende retardierende Bereiche der transnationalen Kommunikation klarer als bisher herausgearbeitet werden:
Heute praktizierte Formen der Public Diplomacy, der Kommunikation von Staaten mit anderen Gesellschaften, sind in weiten Teilen ineffizient. Trotz steigendem Etat verschlechtert sich das Image der USA im Ausland stetig. Ursachen sind primär im militärischen und politischen Handeln zu suchen, aber es fehlt auch an kommunikationswissenschaftlichen Voraussetzungen. Es gibt z.B. kaum solide Nutzungsdaten für den Nahen Osten und andere Entwicklungsländer. Stattdessen agiert die Public Diplomacy aufgrund von Angaben, die nicht zielgenau auf meinungsführende Eliten ausgerichtet sind. Zwischen einer hochfinanzierten Public Diplomacy in den Industrie- und einer unterentwickelten Public Diplomacy in Entwicklungsländern existiert ein Ungleichgewicht. Moderne, dialogische Formen der staatlichen Öffentlichkeit werden kaum eingesetzt.
Im zweiten Defizitbereich, der Media Diplomacy, geht es um die Frage, inwieweit Medien in internationalen Konflikten vermittelnd wirken können. Auch hier gibt es Grund zum Pessimismus. Die wissenschaftliche Literatur zeigt, dass effektive Media Diplomacy lediglich auf Nebenschauplätzen der Politik nachweisbar ist (z.B. Somalia), während sie in zentralen Fragen internationaler Politik (z.B. Irakkrieg) versagt. Die Dreiteilung der Welt in eine CNN-Sphäre, eine Al-Dschazira-Sphäre und einen hoffnungslos Quellen-verunsicherten Rest der Welt lässt ein grundsätzliches Nachdenken über die globalen Perspektiven der Auslandsberichterstattung nötig erscheinen.
Die Globalisierung ist selbst in ihrem Kernbereich, dem Internet gestützten Civic Networking, vielfach unterentwickelt. Weite Teile der nationalen Oppositionslandschaften, die weltweit die Demokratisierung voranzutreiben versuchen, sind im Netz nicht präsent. Der sich vergrößernde digitale Graben zwischen Industrie- und Entwicklungsländern wirft die Frage auf, ob Globalisierung nicht vielfach zu Technik-zentriert definiert wird. Eine kritische Bilanz der Globalisierung ist keine Absage an eine durchaus wünschenswerte und zukunftsweisende Vision. Der dominierende Zeittrend ist aber vielfach nicht die Globalisierung, sondern eine Regionalisierung, die nicht selten ein Bollwerk gegen Globalisierung darstellt. Die Medien- und Kommunikationswissenschaft ist gefordert, die Phase einer naiven Globalisierungseuphorie zu verlassen und analytische Voraussetzungen für eine Optimierung der internationalen politischen Kommunikation zu schaffen.
Prof. Dr. Kai Hafez war vor allem am Deutschen Orient-Institut in Hamburg tätig. Seit 2003 ist er Professor in Erfurt. Prof. Hafez’ Forschungsschwerpunkte sind in der Theorie der Auslandsberichterstattung (Globalisierungstheorie); der Kommunikation Islam/Westen; der Medien im Nahen Osten; den Medien und Einwanderung zu finden. Zudem setzt er sich mit dem Politischen Islam; dem Nahostkonflikt; dem Naher Osten und internationaler Politik auseinander.
Kooperationen:
Kooperation mit dem St. Antony's College der Oxford University und dem Cambridge Arab Media Project (CAMP)
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Angebot des Lehrstuhls: Satellitenanlage
- drehbare Satellitenanlage ermöglicht neue Einblicke in die internationale Kommunikation
- über tausend digitale deutsch- und fremdsprachige TV- und Radio-Kanäle empfangbar
- Liste aller frei empfangbaren TV-Kanäle vorhanden
- 7 verschiedene Satelliten: Hotbird, Eutelsat 2+3, Astra 1+2, Sirius, Nilesat
- nutzbar direkt in Veranstaltungen oder für Forschungszwecke durch Aufzeichnung
- zugänglich für Studierende und DozentInnen
- Zugang:
Für Unterrichtszwecke: LG 4 - Raum D-01
Für Aufzeichnungen: LG 4 - Raum 2-03 - Informationen und Koordination: Carola Richter, LG 4 - Raum 2-04, Telefon: 737-4152
Buchreihen:
Kai Hafez gibt zur Zeit zwei Buchreihen heraus, in der u.a. exzellente Dissertationen und MA-Arbeiten im Bereich Internationale und Interkulturelle Kommuniktion bzw. im Bereich der Politischen Kommunikation im Nahen Osten veröffentlicht werden.
1. Reihe "Internationale und Interkulturelle Kommunikation":
- Denise Busch: Das Bild Griechenlands zwischen Fremd- und Selbstwahrnehmung. Frank & Timme, Berlin 2005. (Bd.1) ...mehr
- Sylvia Breckl: Auslandsberichterstattung im deutschen Fernsehen. Die Dritte Welt in Weltspiegel und auslandsjournal. Frank & Timme, Berlin 2006. (Bd.2) ...mehr
- Christoph Hantel: Journalistenausbildung in Mosambik. Frank & Timme, Berlin 2006. (Bd.3)...mehr
- Karin Keding/ Anika Struppert: Ethno-Comedy im deutschen Fernsehen. Inhaltsanalyse und Rezipientenbefragung zu "Was guckst du?!" Frank & Timme 2006. (Bd.4)...mehr
- Martin Ritter: Medien und Demokratisierung in Kambodscha. Frank & Timme, Berlin 2008. (Bd.5) ...mehr
- Julia Hahn et al.: Europa als Gegenstand politischer Kommunikation. Eine Fallstudie zur deutschen EU-Ratspräsidentschaft. Frank & Timme, Berlin 2008. (Bd.6)
2. Reihe "Medien und Politische Kommunikation - Naher Osten und islamische Welt"
- Christoph Reuter/Irmtraud Seebold: Medien und Meinungsfreiheit in Palästina. Deutsches Orient-Institut, Hamburg, 2000. (Bd.1)
- Shir M. Rawan: Moderne Massenmedien und traditionelle Kommunikation in Iran und Pakistan Deutsches Orient-Institut, Hamburg, 2000. (Bd.2)
- Rüdiger Lohlker: Islam im Internet. Neue Religionen im Cyberspace.(CD-ROM)Deutsches Orient-Institut, Hamburg, 2001. (Bd.3)
- Katrin Nesemann: Medienpolitik im Libanon Deutsches Orient-Institut, Hamburg, 2001. (Bd.4)
- Yorck von Korff: Missing the Wave. Egyptian Journalists and Democratization in the 1990s. Deutsches Orient-Institut, Hamburg, 2003. (Bd.5)
- Muhammad I. Ayish: Arab World Television in the Age of Globalisation.Deutsches Orient-Institut, Hamburg, 2003. (Bd.6)
- Kai Hafez (ed.):Media Ethics in the Dialogue of Cultures. Deutsches Orient-Institut, Hamburg, 2003. (Bd.7)
- Peter Schäfer: Internet als politische Kommunikationsplattform in Palästina.(CD-Rom)Deutsches Orient-Institut, Hamburg, 2003. (Bd.8)
- Carola Richter: Das Mediensystem in Libyen - Akteure und Entwicklungen. Deutsches Orient-Institut, Hamburg, 2004. (Bd.9)
- Ines Braune: Die Journalistenverbände in Jordanien und im Libanon - ein Teil der Zivilgesellschaft? Deutsches Orient-Institut, Hamburg, 2005. (Bd.10)
- Jamal Nazzal: Das palästinensische Rundfunksystem und die deutsch-palästinensische Medienkooperation. Frank & Timme, Berlin 2006 (Bd.11)...mehr
- Aydin Nasseri: Internet und Gesellschaft in Iran. Frank & Timme, Berlin 2007 (Bd.12)...mehr
- Maria Röder: Haremsdame, Opfer oder Extremistin? Muslimische Frauen im Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL. Frank & Timme, Berlin 2007. (Bd.13)...mehr
- Antje Glück: Terror im Kopf. Terrorismusberichterstattung in der deutschen und arabischen Elitepresse. Frank & Timme, Berlin 2007. (Bd.14)...mehr
- Muhammad I. Ayish: The New Arab Public Sphere. Frank & Timme, Berlin 2008. (Bd.15)