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Medienethik

Der islamisch-westliche Vergleich

Prof. Dr. Kai hafez war Leiter einer im März 2001 zusammen mit der Zeit-Stiftung veranstalteten internationalen Fachkonferenz "The Ethics of Journalism. Comparison and Transformations in the Islamic-Western Context". Die Konferenz fand in Schloss Bellevue in Berlin statt und wurde von Bundespräsident Johannes Rau eröffnet, unter dessen Schirmherrschaft sie stand.

Für die Konferenz wurde von Kai Hafez eine Studie zur formalen Ethik im Vergleich von Europa, Nahost, Nordafrika und im muslimischen Teil Asiens (Malaysia, Indonesien) erstellt. Dabei wurden journalistische Verhaltenskodizes verglichen, die von Journalisten oder ihren Interessenvertretern ausgearbeitet wurden. Größere Unterschiede zwischen Europa und vielen islamischen Ländern lassen sich auch heute noch hinsichtlich des Stellenwertes der Meinungsfreiheit erkennen. Dies liegt zum Teil daran, dass der Journalismus ebenso wie seine formale Ethik in vielen Fällen staatlicher Kontrolle unterliegen. Verschiedene journalistische Normenkataloge zeigen, dass in jüngerer Zeit eine Entwicklung zu demokratischen Grundsätzen des Journalismus auf eine partielle Konvergenz zwischen Europa und der islamischen Welt weisen, denn hier sind Einschränkungen der Meinungsfreiheit nur durch andere Grundrechte (Personenschutz, Menschenrechte) vorgesehen. In vielen Fällen erfolgt aber auch eine fundamentale Einschränkungen von Freiheitsrechten, die ideologischer Natur ist, da nationale oder religiöse Zielsetzungen als Grenzbedingungen festgeschrieben werden. Insgesamt zeichnet sich ein langsames Vordringen von Freiheitsnormen in die formale Ethik des Journalismus der islamischen Welt ab, wenngleich in vielen Ländern noch gravierende Rückstände gegenüber Europa zu erkennen sind.

Weitere Bereiche der Diskussion über Werte und Normen des Journalismus betreffen etwa "Wahrheit und Objektivität", "Privatheit und Öffentlichkeit", die Rolle von "Religion und Tradition" sowie "professionelle Werte" (Umgang mit Quellen, Recht auf Gegendarstellung usw.). In der Festschreibung des Wahrheits- und Objektivitätsanspruchs als zentralem Wert des Journalismus besteht ein breiter interkultureller Konsens. Normen zum Schutz der Privatsphäre sind in der formalen Ethik der Länder des Nahen und Mittleren Ostens, Nordafrikas und in den mehrheitlich muslimischen Staaten Asiens im Allgemeinen stärker ausgeprägt als in Europa. Die Vorstellung allerdings, in der islamischen Welt habe die Wahrung der Privatsphäre (der Familie und des Individuums) grundsätzlich Vorrang vor dem Interesse der Öffentlichkeit und insofern bestehe eine fundamentale Wertedifferenz zum Westen, muss aus verschiedenen Gründen relativiert werden: 1.) Eine Abwägung privater Schutz- und öffentlicher Informationsinteressen ist heute Bestandteil der meisten journalistischen Verhaltenskataloge in islamischen Ländern; 2.) spezifisch islamisch-religiös konnotierte medienethische Programme (v.a. Saudi-Arabiens Mediencharta, die islamische Mediencharta von Jakarta) erwähnen Privatheit als Norm gar nicht, was einer islamisch-orthodoxen (und auch islamistische) Leugnung des kommunikativen Individuums gleichkommt.

Kai Hafez, Journalism Ethics Revisited: A Comparison of Ethics Codes in Europe, North Africa, the Middle East and Muslim Asia, in: Political Communication 19 (April-June 2002) 2, S. 225-250

Kai Hafez (Hrsg.), Media Ethics in the Dialogue of Cultures. Journalistic Self-Regulation in Europe, the Arab World, and Muslim Asia, Hamburg: Deutsches Orient-Institut (im Druck)

Lehrstuhl:
>Kommunikationswissenschaft mit Schwerpunkt Vergleichende Analyse von Mediensystemen/Kommunikationskulturen
Professoren:
>Prof. Dr. Kai Hafez

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